Der Fiskus und das Butterbrot

 
OCT 16 @ 22:46

by Benedikt Ernst

Schon lange wird an den Universitäten Europas über den Sinn und den Unsinn einer Fettsteuer diskutiert. Man versucht sich am Abwägen von Unwägbarkeiten, spielt Szenarien durch und rechnet, rechnet, rechnet. Doch wie sich eine solche Steuer wirklich auf die Ernährung der Menschen in Industriestaaten auswirken wird, klärt sich wohl erst jetzt, da Dänemark als erstes Land der Welt eine Steuer auf gesättigte Fettsäuren eingeführt hat. Pro Kilo gesättigter Fettsäuren fallen in Zukunft umgerechnet 2,15€ an, wodurch zum Beispiel ein Kilo Butter etwa 1,30€ teurer werden würde. Ein satter Betrag.

Da gesättigte Fettsäuren, die immer wieder in Zusammenhang mit ernährungsbedingten Krankheiten wie Diabetes und Arteriosklerose gebracht werden, vor allem in tierischen Lebensmitteln vorkommen, betrifft die Steuer vor allem Milchprodukte, Fleisch und Feingebäck. Dass eine merkliche Verteuerung dieser Lebensmittel nicht auf Gegenliebe beim Volk stößt, ist klar: Nicht wenige unken, der Staat wolle sich lediglich auf Kosten der Bürger bereichern und denke nur sekundär an deren Gesundheit und die Umwelt. Doch selbst wenn diese Anschuldigungen zuträfen: Wären Verbesserungen auf diesen Gebieten nicht ein höchst begrüßenswerter Nebeneffekt?

Meiner Meinung nach ist Essen nach wie vor Privatsache. Wir belohnen uns mit Essen, wir feiern mit Essen, wir essen um zu überleben - Viel intimer geht es nicht. Gerade deswegen stößt mir die Idee einer Steuer auf bestimmte Lebensmittel sauer auf. Es ist und bleibt ein Eingriff in die Freiheit zu kaufen, was dem eigenen Geschmack am besten entspricht.

Doch der Gedanke, dass wir beim Lebensmittelkauf lediglich Entscheidungen über das eigene Budget, den eigenen Appetit und die eigene Gesundheit treffen, ist leider eine Illusion. Pflanzliche Lebensmittel benötigen in der Herstellung eklatant weniger Wasser als tierische, die Treibhausgase der industriellen Rinderhaltung machen den Autos dieser Welt Konkurrenz und durch den Soja-Anbau für die Futtermittelproduktion werden komplette Ökosysteme blindwütig zerstört. Warum sind wir bereit zum Kauf von Elektromobil, Photovoltaikanlage und Recycling-Toilettenpapier, aber nicht zur Einschränkung unseres Fleisch-, Milch- und Eierkonsums?

Vielleicht liegt es an der Richtung der finanziellen Maßnahme: Zur Förderung des privaten Photovoltaikanlagen-Baus wurden nicht etwa herkömmliche Heiz-Systeme besteuert, sondern attraktive Finanzierungsmöglichkeiten für die neuen Technologien geschaffen. Im Umkehrschluss spräche dies für eine Verbilligung von Obst und Gemüse anstelle einer Steuer auf tierische Produkte. Ein Argument, das Wasser auf die Mühlen vieler Fettsteuer-Kritiker darstellt. Doch die Dänen werden uns schon zeigen, ob der Zweck am Ende die Mittel heiligt. Man darf gespannt sein.

Foto: sxld/flickr

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