Ein Mittagessen mit Jamie

 
NOV 14 @ 16:06

by Benedikt Ernst

Als ich im September diesen Jahres angefangen habe, als Redakteur für jamieoliver.de zu arbeiten, hegte ich durchaus die Hoffnung, irgendwann auch mal meinem „Chef“ gegenüber zu stehen. Dass es dann so schnell passieren sollte, war nun wirklich nicht abzusehen. Um so freudiger machte ich mich letzten Montag auf den Weg in Tim Mälzer’s Bullerei im Hamburger Schanzenviertel, wo Jamie gastierte um sein neues Kochbuch „Zu Gast bei Jamie“ vorzustellen (im Original: „Jamie’s Great Britain“).

Während im Deli Normalbetrieb herrscht, schwirren im großen Saal die Pressevertreter bereits auf und ab, schmökern in den ausliegenden Jamie-Magazinen oder ballen sich mit ihren Kameras vor der Plakatwand für „Zu Gast bei Jamie“ zu einer Traube zusammen. Als Jamie dann mit dem Buch im Anschlag vor die Wand tritt, bricht das Blitzlichtgewitter sofort los. Sichtlich amüsiert wirft er sich in Pose und versucht jeden Wunsch zu erfüllen, im Anschluss verteilt er bereitwillig O-Töne für die anwesenden TV-Kameras.

Um die 50 Presseleute sind anwesend, die Zeit ist demzufolge stark begrenzt, was durch eine tolle Idee gelöst wird, die eigentlich recht nahe liegt: Ganz in Jamie’s Sinne setzen wir uns gemeinsam an die Esstische und reden einfach locker drauflos, mit großen Tellern in der Mitte, von denen sich jeder bedienen kann. Es gibt kleine Yorkshire Puddings mit Räucherforellencreme und Salat zur Vorspeise, Kate & Wills’s Hochzeitspastete mit Graupen und Rindfleisch zur Hauptspeise und ein wunderbares Zitruscremedessert auf knusprigem Käsekuchenboden zum Nachtisch, allesamt aus „Zu Gast bei Jamie“ von Tim Mälzer’s Crew nachgekocht. Ein Hochgenuss! (Wobei ich fairerweise anmerken sollte, dass ich auch einen Bärenhunger mitbrachte, hatte mir die Aufregung im Vorfeld doch ein wenig den Appetit verdorben.)

Jamie erzählt mit leuchtenden Augen und wilden Gesten von der grandiosen Spaghetti Bolognese seiner Mutter, von einem Eiscremeberg, den er als Kind im Pub seines Vaters zum Geburtstag bekommen hatte und von der Freude, die ihm seine Kinder bereiten, wenn sie am Esstisch eigene Entscheidungen treffen. Selbstverständlich geht es auch um sein neues Buch und die britische Esskultur im Allgemeinen: Der schlechte Ruf der britischen Küche rühre vor allem daher, dass die reiche Bevölkerung in der Geschichte alles zur Verfügung hatte während die normale Bevölkerung hungern musste. Dabei seien es schon immer diese Menschen gewesen, die aus simplen Zutaten die tollsten Gerichte erfunden hätten. Er sei überglücklich, in den letzten 15 Jahren als Koch aktiv gewesen zu sein, da sich die britische Küche in dieser Zeit stark zum Besseren verändert habe - Nicht zuletzt aufgrund der zahlreichen Einflüsse der Einwanderer aus aller Welt, die ihre Esskultur und ihre Geschmäcker mit nach Großbritannien gebracht und dadurch die örtliche Kulinarik ungemein bereichert hätten.

Am Ende ist alles viel zu schnell vorbei. Er verteilt noch ein paar Autogramme, bevor er endgültig weiter muss. Weitere Interviewtermine stehen an, später wird er mit seinem Freund und Kollegen Tim Mälzer (der sich während der Interviews grinsend im Hintergrund des Saals herumdrückte) zwei Folgen „Tim Mälzer kocht“ aufzeichnen (Sendetermine: 3./17. Dezember, 15:30 Uhr, ARD) und danach wohl todmüde die Rückreise nach England antreten. Mit einem Exemplar von „Zu Gast bei Jamie“ im Gepäck steige ich in die Bahn und überlege mir bereits lächelnd, was ich als erstes daraus kochen werde.

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