Britpop, Bier, Bubble & Squeak

 
NOV 28 @ 14:21

by Benedikt Ernst

Mein Verhältnis zu Kochbüchern ist seit jeher ein gespaltenes: Einerseits liebe ich gut gemachte Kochbücher. Sie inspirieren mit ihren Rezepten und bringen mit ihren Fotos nicht nur den optischen Sinn in Fahrt. Sie bergen Überraschungen und erinnern an lange Vergessenes. Und trotzdem koche ich so gut wie nie 1-zu-1 nach Rezepten. Die Gründe dafür sind vielfältig und Stimmungs-abhängig, meistens hängt es jedoch schlicht mit Ungeduld zusammen. Ich habe Hunger und will etwas Feines kochen, bin aber nicht willens, zu diesem Zwecke mehr als ein Geschäft aufzusuchen, oder besser gesagt: Mein bereits knurrender Magen verbietet es mir. Also wird eben improvisiert. Ihr kennt das.

Es war jedenfalls keine ungewöhnliche Situation, als mir letzte Woche nach der Arbeit noch exakt eine Stunde Zeit zum Kochen blieb, bevor sich mein Freund Christian angekündigt hatte. Er hatte sich für den Abend selbst bei mir eingeladen und versprach mir dafür rührselige Herrengespräche, begleitet von Oasis-Platten und dem ein oder anderen Pils. Eine Kombination, für die ich wirklich immer zu haben bin. Eine Gedankenkette führte mich zu Jamies neuem Kochbuch „Zu Gast bei Jamie“: Rührselige Herrengespräche plus Pils ist gleich Kneipe. Kneipe plus Oasis ist gleich englischer Pub. Englischer Pub plus Kochen ist gleich „Zu Gast bei Jamie“. Und schon nach wenigen Seiten fand ich das perfekte Rezept für den Abend: Bubble & Squeak!

Bubble & Squeak ist eine Art Gemüsekuchen und wird normalerweise zum Frühstück oder Brunch serviert, da es sich hervorragend zur Resteverwertung der Überbleibsel vom Vortag eignet. Ganz im Sinne meiner Improviations-Küche kann man sich bei der Zutatenwahl komplett nach dem eigenen Gusto richten, so lange nur 1kg Kartoffeln als Basis vorhanden sind. Das kam mir natürlich entgegen, da ich nur noch für eine Handvoll Kräuter und etwas Mangold zum Laden um die Ecke flitzen musste. Die Zubereitung ist so einfach wie genial: Die Kartoffeln (etwa 60%) werden mit dem restlichen Gemüse zunächst klein geschnitten und fast gar gekocht. Ich habe Möhrenwürfel und Mangold verwendet, den ich erst unmittelbar vorm Abgießen mit blanchiert habe, ansonsten eignen sich auch Grünkohl und allerlei Wurzelgemüse. Danach werden in einer Pfanne zwei Kanten Butter zerlassen und für das Aroma etwas Olivenöl und die gehackten frischen Kräuter zugegeben. Ich habe hierfür Rosmarin und Salbei verwendet.

Das abgegossene Gemüse wandert nun vollständig in die heiße Pfanne, wird kurz mit den Kräutern vermengt und dann am Boden angedrückt. Nach 3-4 Minuten hat sich an der Unterseite eine braune Kruste gebildet. Zeit, den Fladen wieder auseinander zu bröseln, neu zu vermengen und wieder anzudrücken. Der Vorgang wird etwa 20 Minuten lang wiederholt, bevor der „Bubble“ noch einmal kurz im Ganzen gewendet und schließlich auf ein Holzbrett gestürzt wird.

Das Ergebnis war nicht nur unglaublich lecker, sondern sah tatsächlich aus wie im Buch – Das Beweisfoto seht Ihr oben. Im Buch gibt Jamie Ratschläge zur weiteren Verwendung von Bubble & Squeak-Resten mit dem Hinweis, dass Reste bei diesem Gericht eher unwahrscheinlich sind. Mit einem zufriedenen Lächeln mussten wir trotzdem nach der Hälfte kapitulieren und wendeten uns wieder den rührseligen Herrengesprächen, den Oasis-Platten, den Bieren zu.

Am nächsten Tag war vom Bubble & Squeak nichts mehr übrig.

2 replies

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DEC 02 @ 15:57

by maddimouse

Hey Benedikt,
ich finds ja sowas von unerhört, dass ich dazu nicht eingeladen wurde! Mit den "Herrengesprächen" hätte ich so meine Probleme gehabt, aber so wäre die Portion Bubble & Squeak sowas von garantiert weggefuttert gewesen!
lol
LG
Maddi

die heute Blut- und Leberwurst in Sauerkraut mit Kartoffelpü zum Abendessen haben wird!

 
DEC 12 @ 15:44

by Benedikt Ernst

Hi Maddi!
Vielleicht gibts ja beim nächsten Mal eine Einladung, um die Herrengespräche kommst du allerdings nicht rum wink
Liebe Grüße,
Ben

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